
Müller
In-Store-Routing
Am Wochenende vor dem Muttertag waren wir für Müller in den Innenstädten von München, Stuttgart und Ulm unterwegs: mit 3.000 roten Rosen, Flyern voller Muttertagsangebote und Promoter-Teams, die Passantinnen und Passanten eine echte Freude machten. Aus einer einfachen Geste wurde ein Gespräch, aus dem Gespräch ein Weg in die nächste Müller-Filiale. Eine mobile Sampling-Promotion mit einem klaren Ziel: Frequenzerhöhung am Point of Sale, bei rund 3.000 erreichten Personen und einer Interaktionsquote von 70 Prozent.

Der Muttertag ist für den Drogeriehandel einer der wichtigsten Anlässe des Jahres und einer der umkämpftesten. Jeder Wettbewerber wirbt mit Geschenkideen, die Aufmerksamkeit ist auf allen Kanälen bereits gekauft. Müller wollte die Muttertagsangebote nicht nur sichtbar machen, sondern die Menschen genau in dem Moment erreichen, in dem sie noch unentschlossen durch die Innenstadt laufen und nach einem Geschenk suchen. Die Aufgabe war also weniger Reichweite als Timing: Wie kommt die Marke in den Kopf, kurz bevor die Kaufentscheidung fällt, und wie wird daraus ein Besuch in der Filiale, die nur wenige Meter entfernt liegt?
Die Idee war denkbar einfach und genau deshalb wirksam: eine rote Rose, verschenkt an Passantinnen und Passanten in der Innenstadt. Kein Verkaufsgespräch, keine Gegenleistung, keine Bedingung, eine Geste, die zum Anlass passt. Genau das öffnet Türen, die ein Werbeflyer allein nie öffnet. Wer eine Rose in der Hand hält, denkt an den Muttertag. Und wer an den Muttertag denkt, denkt an das Geschenk, das er noch besorgen muss.
An diesen Gedanken hat sich der zweite Teil der Aktion angeschlossen: Zusammen mit der Rose gab es einen Flyer mit den Muttertagsangeboten und einem Aktionscoupon, die Brücke von der Emotion zum konkreten Angebot und damit direkt in die Filiale, die in allen drei Städten nur wenige Schritte entfernt lag. Die Rose war der Anlass, der Flyer der Weg, die Filiale das Ziel.
Die Promoter-Teams waren durchgängig gebrandet, Aktionsshirts im Müller-Orange und große Taschen voller Rosen. Diese Kombination ist ihr eigenes Medium: Ein sichtbar gebrandetes Zweierteam mit einem Arm voll roter Rosen erzeugt Neugier, lange bevor das erste Wort fällt. Gearbeitet wurde als mobile Promotion in Bewegung, nicht am Stand: kein Aufbau, keine feste Position, keine gemietete Fläche. Die Teams durchquerten die Hauptlagen ebenso wie die Seitenstraßen und verlagerten sich dorthin, wo die Frequenz gerade am höchsten war. Genau diese Beweglichkeit macht den Guerilla-Charakter des Formats aus, es folgt den Menschen, statt darauf zu warten, dass die Menschen an einem Stand vorbeikommen. Und es ist in Minuten startklar, wo eine klassische Standpromotion einen halben Tag Vorlauf braucht.
Das Timing war der dritte Hebel: ein Samstag, das Wochenende vor dem Muttertag, zehn bis achtzehn Uhr. Am Wochenende sind die Menschen entspannter, haben Zeit für ein kurzes Gespräch und sind mit genau dem Anliegen unterwegs, das die Aktion bedient.
Bemerkenswert ist das Verhältnis von Aufwand und Wirkung: Sechs Promoter, ein Tag, drei Städte, und rund 3.000 persönliche Kontakte mit einer Interaktionsquote, die klassische Außenwerbung in dieser Form nicht erreichen kann. Sieben von zehn erreichten Personen nahmen die Rose nicht nur entgegen, sondern kamen ins Gespräch.
Dass eine verschenkte Rose mehr bewirkt als ein verteilter Flyer, ist keine Bauchentscheidung, sondern gut belegt. Haptische Reize sind glaubwürdiger als visuelle: Kleinjohann (2025) und Bauer et al. (2012) beschreiben den Tastsinn als Wahrheitssinn. Wer die Rose in der Hand hält, empfindet bereits Besitz, dieser Endowment-Effekt senkt die Kaufhürde messbar.
Dazu kommt die Reziprozität, der soziale Klebstoff jeder Promotion: Ein Geschenk erzeugt den Impuls, etwas zurückzugeben. Genau dieser Impuls trägt die Menschen über die Schwelle in die Filiale. Hartmann und Munzinger (transfer 04/2025) belegen darüber hinaus, dass ein starkes physisches Erlebnis auf alle weiteren Touchpoints einer Marke abstrahlt, die Wirkung endet also nicht mit dem Aktionstag.
Der Zeitpunkt war dabei der entscheidende Hebel. Wer kurz vor dem Muttertag durch die Innenstadt läuft, hat kein latentes, sondern ein aktives Bedürfnis. Die Rose beantwortet es sofort, und der Gutschein sagt, wo es weitergeht.
Die meisten Promotions müssen sich Aufmerksamkeit erst erarbeiten. Diese hier bekam sie geschenkt, weil sie selbst etwas verschenkte. Eine Rose ist kein Sample, das man wegwirft. Sie wird mitgenommen, weitergegeben, fotografiert, verschenkt. Sie wirkt über den Moment hinaus, und sie trägt die Marke mit.
Genau das macht den Unterschied zwischen Sampling und Routing. Das Produkt in der Hand war nicht das Verkaufsziel, sondern der Türöffner: Es erzeugte den Gedanken an den Muttertag, der Flyer machte daraus ein Angebot, und die Filiale um die Ecke machte daraus einen Besuch. Die O-Töne aus den Gesprächen zeigen, wie direkt das funktioniert hat, von „Ich wollte sowieso gerade zu Müller" bis zur spontanen Frage nach einer zweiten Rose für eine Freundin.
Für jeden Händler mit Innenstadtflächen ist das die relevante Erkenntnis: Die Menschen, die am Samstag vor dem Muttertag durch die Fußgängerzone laufen, sind bereits kaufbereit. Sie brauchen keine Werbung, sondern einen Anlass, und jemanden, der ihnen sagt, wo es weitergeht. Genau dafür ist die mobile Guerilla-Promotion mit Sampling das passende Instrument: Verkaufsförderung, die nicht auf Kundschaft wartet, sondern ihr entgegengeht, und die sich in Frequenz am Point of Sale auszahlt.
„Tolle Idee zum Muttertag von Müller.“ (Passantin der Aktion)
„Die Rose schenk ich meiner Mutter und hol ihr direkt die Schokolade dazu.“ (Passant der Aktion)











